Die Ballade von der Mutter, die ihr Kind verlor


 

Vom 05. – 07. April zieht es uns wieder ins Dörfchen Plundersweiler, um Handwerkskunst zu bestaunen, den örtlichen Gerstensaft zu genießen und vergnügliche Tage zu verleben.

Du möchtest Teil des Dorfes werden oder dort als Reisender eine Rast einlegen? Hier findest du, was du suchst: http://kult-impro.de/events/plundersweiler-2/

Warum du ausgerechnet in diesem verlassenen Fleckchen Erde dein Lager aufschlagen solltest? Ein Grund könnten die alten Volksweisen sein, die du von den Einheimischen zu hören bekommst. Neben den Grob- und Schmuckschmieden, deren guter Ruf ihnen vorauseilt, finden sich auch vereinzelte Verseschmiede in Plundersweiler – denn hier liebt jeder eine gute Geschichte im Schein des flackernden Feuers. Ereignisse aus vergangenen Zeiten werden bei jeder weiteren Erzählung ausgeschmückt und finden schließlich ihren Weg in die Texte von Balladen und Liedern, die die Spielleut‘ zum Besten geben.

Bleibt am Ende ein Körnchen Wahrheit in den Legenden, oder sind es nur noch Ammenmärchen, die die Kinder vom Weiher und aus dem Wald fernhalten sollen? Gehen wir ihnen auf den Grund oder hüten wir uns vor den Schrecken, von denen sie uns berichten?

 

Entscheidet selbst und lest die schaurige Geschichte von der Mutter, die ihr Kind verlor.

 

Die Mutter, die ihr Kind verlor

Kommt her, Kommt her, wenn das Feuer brennt.
Wenn der Mond scheint so groß und rund.
Hört die Geschichte, die noch keine Seele kennt.
Sie liegt dort auf des Weihers Grund.

Du kennst doch den grauen Weiher,
den Tümpel gleich hinter dem Haus?
Ich kenn‘ eine alte Geschichte,
die lehrt dir das Fürchten daraus.

Der Mond schenkt dem schwarzen Gewässer
mit seinem fahlen Licht
ein trauriges Kinderlächeln und
ein altbekanntes Gesicht.

Versunken sitzt vor diesem Bildnis
ein Schatten in Menschengestalt.
Gehst du näher, ist vor dir nur Wildnis doch
ihre Klage weht durch den Wald.

Sie erscheint immer wieder im Dunkeln,
streift Nachts über Heide und Moor
Während die Alten im Dorfe munkeln: Das
ist die Mutter, die ihr Kind verlor!

Man hat ihn niemals gefunden,
ihren Sohn, der eines Tages verschwand.
Ist er wohl im Weiher ertrunken und
Trieb dort auch seine eiskalte Hand?

Die verzweifelte Mutter saß immer
am Ufer und weinte und sprach
unter grauenhaft traurig Gewimmer: Ach,
Mein liebstes Kind, ich halte die Wacht!

Ich sing‘ Liedchen für dich mein Sonnenschein,
so wiege ich dich in den Schlaf hinein.

Ich webe Hemdchen für dich, mein Sonnenschein,
dass meinem liebsten Kind niemals kalt mag sein.

Ich koche Essen für dich, mein Sonnenschein,
und werf‘ es zu dir in den Abgrund hinein.

So sprach sie in sich immer steigerndem Wahn,
sie schlief nicht, sie aß nicht und als er brach an
der Vollmond, der mit silbern schillerndem Licht
dem Weiher verlieh sein rundes Gesicht
da fasste sie ihren letzten Entschluss:
Sie umarmt ihren Sohn für einen eiskalten Kuss
und wirft sich ins Wasser –
damit ihr liebstes Kind niemals alleine sein muss.

Gebt Acht, Gebt Acht, wenn ihr Schatten spürt,
Wenn der Mond scheint so groß und rund.
Es ist die Mutter, die euch auch ins Wasser führt,
dann liegt ihr auf des Weihers Grund.